Standortauswahlverfahren für ein Atommüll-Endlager

Veröffentlichung des Zwischenberichtes am 28.09.2020 und Fachkonferenz Teilgebiete

Grundinformationen

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) führt unter Aufsicht des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) das Standortauswahlverfahren für ein Atommüll-Endlager durch. Am 28.09.2020 wurde der Zwischenbericht Teilgebiete veröffentlicht.

In dem Zwischenbericht werden insgesamt 90 geografisch abgegrenzte Teilgebiete benannt, die günstige geologische Voraussetzungen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen. Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Teilgebiete, ist in Deutschland eine Fläche von ca. 194 157 km², d.h. ca. 54% der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen.

Die möglichen Wirtsgesteine sowie die Mindestanforderungen sind im § 23 Standortauswahlgesetz (StandAG) aufgeführt:

  • Wirtsgesteine Steinsalz, Tongestein oder Kristallingestein
  • Mindestanforderungen: Gebirgsdurchlässigkeit kf<10E-10 m/s, einschlusswirksamer Gebirgsbereich mindestens 100 m mächtig, minimale Tiefe 300 m, ausreichende flächige Ausdehnung des Gebirgsbereichs, Barrierewirkung muss für 1 Mio. Jahre sicher sein

Im § 22 StandAG werden die Ausschlusskriterien bei der Gebietsauswahl aufgelistet:

  • Ausschlusskriterien: großräumige Vertikalbewegungen von im Mittel mehr als 1 mm pro Jahr, aktive Störungszonen, Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit, seismische Aktivität, vulkanische Aktivität und (junges) Grundwasseralter

Dem Zwischenbericht liegen ausschließlich geologische Kriterien zugrunde. Raumplanerische Aspekte wie Abstand zur Wohnbebauung oder Nähe zu Naturschutzgebieten spielen erst in den weiteren Arbeitsschritten eine Rolle.

Kreis Steinfurt / Geologie - Teilgebiete

Im Kreis Steinfurt sind Steinsalz und Tongesteine in ausreichender Mächtigkeit und Tiefe vorhanden. Es verwundert daher nicht, dass 7 Teilgebiete auch das Kreisgebiet betreffen. Ein Teil der Kreisfläche ist einem oder sogar mehreren Teilgebieten zugeordnet  (vgl. Karte).

Nachfolgend sind Links zu umfassenden Informationen der BGE zu den Teilgebieten aufgeführt. Neben einem Kompakt-Steckbrief gibt es jeweils auch eine Langfassung. Darüber hinaus hat die BGE die Teilgebiete in einem kurzen YouTube-Video vorgestellt. Nach Veröffentlichung des Zwischenberichtes hat die BGE zu den Teilgebieten jeweils online-Sprechstunden durchgeführt, deren Aufzeichnung ebenfalls über den angegebenen Link erreichbar ist:

Im Teilgebiet 076_03TG endet die Darstellung der Flächen an der Grenze auf niedersächsischer Seite. Dies ist vermutlich der verwendeten Datenlage geschuldet. Es ist davon auszugehen, dass die geologischen Schichten auch über die Landesgrenzen hinaus bis ins Kreisgebiet Steinfurt reichen. Daher wird das Teilgebiet auch für den Kreis Steinfurt angegeben (siehe Karte Kreis Steinfurt).

Der Geologische Dienst NRW (GD NRW) hat den Zwischenbericht Teilgebiete der BGE intensiv fachlich geprüft und am 10.02.2021 eine Stellungnahme erarbeitet.  Im Teil V „Zusammenfassung und Ausblick“ (S. 16) wird darin festgestellt:

„Die von der BGE im Zwischenbericht ausgewiesenen Teilgebiete in Nordrhein-Westfalen sind nach Einschätzung des GD NRW flächenmäßig oft deutlich zu groß ausgefallen. In vielen Fällen kann der GD NRW Ausweisungen nicht anhand seiner Datenlieferungen bzw. anhand seiner regionalgeologischen Expertise bestätigen.“
(Quelle: https://www.gd.nrw.de/pr_bi_endlagersuche.htm)

Sachstand und Zeitplan

Der Zwischenbericht Teilgebiete stellt einen Zwischenstand der Arbeiten der BGE dar und dient als Grundlage für die Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Auftaktveranstaltung der Fachkonferenz Teilgebiete fand am 17./18.10.2020 im Rahmen einer Online-Konferenz in Kassel statt. Sie hatte einen informativen Charakter und diente dazu, Grundlagen für die Beratungstermine der Fachkonferenz zu schaffen.

Der 3 Beratungstermin der Fachkonferenz Teilgebiete hat am 06. und 07.08.2021 stattgefunden. Die Veranstaltung wurde Corona-bedingt als Hybrid-Format mit interaktiven Beteiligungsmöglichkeiten durchgeführt. Innerhalb eines Monats nach diesem Beratungstermin übermittelt die Fachkonferenz Teilgebiete ihre Beratungsergebnisse an die BGE mbH. Diese muss die Ergebnisse bei der Erarbeitung ihres Vorschlags für die übertägig zu erkundenden Standortregionen berücksichtigen. Im weiteren Verlauf der ersten Phase der Endlagersuche muss die BGE mbH die im Zwischenbericht identifizierten Teilgebiete eingrenzen und bestimmte Regionen vorschlagen, die konkret weiter untersucht werden sollen.

Das Standortauswahlverfahren dient dazu in drei Phasen bis 2031 den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit festzulegen. Der Zwischenbericht sowie die Fachkonferenzen sind der erste Schritt der 1. Phase. Im zweiten Schritt werden mögliche Standortregionen von der BGE vorgeschlagen. Erst in den weiteren Phasen finden oberirdische und unterirdische Erkundungen statt.

Eine ausführliche Beschreibung des Standortsuchverfahrens und der Ergebnisse des Zwischenberichtes bezogen auf den Kreis Steinfurt findet sich in der PDF-Datei "Endlagersuche für hochradioaktive Abfälle in Deutschland - Kreis Steinfurt".

Am 31.08.2021 fand die Konferenz der Hauptverwaltungsbeamtinnen und Hauptverwaltungsbeamten im Kreis Steinfurt (HVB-Konferenz) in digitaler Form statt. Hierzu wurde der Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) eingeladen, um über den aktuellen Stand der Standortsuche für ein Atommüllendlager zu berichten. Die vorgetragene Präsentation der BGE kann hier eingesehen werden.

Atommüll-Endlager: Wie gelingt gute Beteiligung? Bilanz & Perspektiven

Nach Abschluss der Fachkonferenz Teilgebiete will das Nationale Begleitgremium (NBG) am 6. November 2021, 9 Uhr bis 17:30 Uhr im Ritz-Carlton Hotel am Potsdamer Platz in Berlin, gemeinsam mit der interessierten Öffentlichkeit auf das Standortauswahlverfahren und das erste formelle Beteiligungsformat zurückblicken.

Das Programm zur Veranstaltung und die Anmeldemöglichkeit finden Sie auf der Webseite des NBG. Bitte melden Sie sich für die Präsenzteilnahme bis spätestens zum 24. Oktober 2021 an. Zudem bitten wir Sie, bei der Anmeldung (unter „Raum für Anregungen“) anzugeben, ob Sie vor Ort oder digital via WebEx-Konferenz oder auf dem YouTube-Kanal des NBG an der Veranstaltung teilnehmen

Kontakt: Bei Fragen kontaktieren Sie uns gerne! 
Tel.: 030 8903 5655 
geschaeftsstelle@nationales-begleitgremium.de 

Desweiteren soll eine Online-Veranstaltung des Partizipationsbeauftragten im Rahmen des Standortauswahlverfahrens stattfinden am:

Samstag, 13.11.2021, nachmittags (ca. 13-18 Uhr)
Ort: Videokonferenz

Auf der Veranstaltung soll das von der Arbeitsgruppe Vorbereitung der Fachkonferenz Teilgebiete gemeinsam mit dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) und weiteren Akteuren entwickelte Konzept für die ergänzende Öffentlichkeitsbeteiligung bis zur Einrichtung der Regionalkonferenzen öffentlich vorgestellt, diskutiert und in die Umsetzung übergeben werden. Die Veranstaltung findet als Videokonferenz mit Referentinnen und Referenten  sowie Podiumsgästen statt. Weitere Informationen zur Durchführung folgen in Kürze.

Geodatenatlas Endlagersuche

Eine interaktive Ansicht über die Lage der Teilgebiete für das Kreisgebiet Steinfurt, welche günstige geologische Voraussetzungen für eine sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen, befindet sich im Geodatenaltas unter:

https://kreis-steinfurt.maps.arcgis.com/apps/webappviewer/index.html?id=9db76e64203f46de871f3b96aeb44fd4

Datenquelle: Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH 

Kontakt

Heiner Bücker
Amtsleiter Umwelt- und Planungsamt
02551/631410
heiner.buecker@kreis-steinfurt.de

Thomas Künnemann
Untere Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde
02551/691466
thomas.kuennemann@kreis-steinfurt.de

 

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