Anlass

Land- und Ernährungswirtschaft steht vor Herausforderungen und Chancen

Die Land- und Ernährungswirtschaft ist sehr wichtig für das Münsterland. Sie ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftszweig mit großer sozialer Bedeutung, sondern auch ein prägender und gestaltender Faktor der münsterländischen Parklandschaft. Daher sind viele Entwicklungen im Ernährungsbereich von großer Relevanz für das Münsterland:
Ökologische Herausforderungen (wie Klimawandel, Rückgang der Artenvielfalt) verlangen nach Lösungen. Bäuerliche Familienbetriebe geraten trotz engagierten Wirtschaftens in Existenznot. Höfe können teilweise auch mangels NachfolgerIn nicht fortgeführt werden. LandwirtInnen sind einer zunehmenden gesellschaftlichen Kritik ausgesetzt. Die Anzahl der Betriebe des Lebensmittelhandwerks wie Bäckereien und Fleischereien sinkt seit vielen Jahren stetig. Traditionelle/s Fertigkeiten und Know how sowie Nahversorgungsstrukturen gehen verloren.
Gleichzeitig eröffnen sich neue Chancen: Immer mehr KonsumentInnen interessieren sich für die Herkunft und Produktionsbedingungen ihrer Lebensmittel. Drei Viertel der Deutschen legen Wert auf Lebensmittel aus ihrer Region, mit denen Transparenz, besondere Qualität, Frische und Heimat verbunden werden.


Nachhaltige Ernährungs- und Landwirtschaft nachgefragt

Eine verbesserte Umweltverträglichkeit der Landwirtschaft wird von 70 % der Deutschen befürwortet. Eine Form der nachhaltigen Ernährungs- und Landwirtschaft ist der Biosektor: Mit einer jährlichen Steigerung des Umsatzes mit Bio-Lebensmitteln von durchschnittlich 8 % ist er über die letzten Jahre ein dynamischer Wachstumsmarkt. Allerdings konnte die einheimische Bioerzeugung bei vielen Produkten mit der Nachfrage nicht Schritt halten, weshalb in den letzten Jahren ein Teil des Angebotes aus dem Ausland importiert werden musste. Dazu zählten z. B. Getreide, Milch, Schweinefleisch – Produkte, die auch im Münsterland (überwiegend konventionell) erzeugt werden.
Im Münsterland lag in 2016 der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche bei unter 2 %, im Kreis Steinfurt bei 1,7 %. Inländische Produzierende haben somit nur begrenzt von der positiven Entwicklung der Bionachfrage profitieren können. Zugleich möchten fast 90 % der KonsumentInnen von Bio-Lebensmittel mit ihrem Kauf regionale Betriebe unterstützen. Vor diesem Hintergrund bietet die regionale Erzeugung und Vermarktung von ökologisch produzierten Lebensmitteln große wirtschaftliche Chancen für Unternehmen der Ernährungs- und Landwirtschaft.

Die hohe Wertschöpfung in der Biobranche eröffnet (insbesondere kleinen und mittelgroßen Familien-) Betrieben interessante Einkommens-perspektiven. Auch trägt sie zu lebendigen, lebenswerten ländlichen Räumen bei. Regionale Herkunft und persönlicher Kontakt zu den KonsumentInnen ermöglichen zudem Betrieben des Lebensmittelhandwerks, sich am Markt von Mitbewerbern abzuheben.

Fest steht: Regionalität und Biotrend sind keine vorübergehenden Erscheinungen. „Ökologische Landwirtschaft ist eine wichtige Zukunftsbranche. Deshalb hat sie auch eine zentrale Position in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung“, so der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Dies beweist auch der aktuelle Koalitionsvertrag, mit dem die unionsgeführte Bundesregierung einen Ausbau der Ökolandbau-Fläche von aktuell 8 % auf 20 % bis 2030 erreichen will.

Das Vorhaben versteht sich als freiwilliges Angebot an interessierte UnternehmerInnen und Akteure der Ernährungs- und Landwirtschaft, um (in Kooperation mit den VerbraucherInnen) die genannten Potentiale gemeinsam auszuloten und stärker zu erschließen.